Der Schmerz will nicht bleiben. Er entspricht nicht dem natürlichen Gleichgewicht.
Sowohl der körperliche, als auch der seelische Schmerz will sich auflösen. Das kann er, sobald er zugelassen wird. Tritt er ungehindert in Erscheinung, so verkündet er seine Botschaft, wird wahrgenommen und darf wieder gehen.
Wird er bekämpft und verdrängt, so muss er sich verstecken und aufs Neue auf sich aufmerksam machen. Er wird dadurch gross, stark und einfallsreich. Mit wechselndem Gesicht versucht er variantenreich die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu erlangen.
Versuche den Schmerz auszuhalten. Beispiel: ich hab mir gestern den Kofferraumdeckel an die Stirn gehauen. Nicht absichtlich! Kurzer Schreck, Schmerz, Beule, kleiner Riss. Setze mich ins Auto und versuche nicht zu denken, nur den Schmerz zu fühlen. Wie tief geht er rein? Wie breit dehnt er sich aus? Verändert er sich, wenn ich die Stirn in Falten lege? Viel Aufmerksamkeit. Nicht wehleidig! Einfach wahrnehmen was ist, nämlich der Schmerz. Ein paar Sunden später: Beule weg, Schmerz weg.
Nun ja, beim kleinen Kratzer scheint dies einfach. Schwieriger bei so richtig starken Gefühlen. Ich fühle mich ungerecht behandelt! Ich fühle mich nicht wahrgenommen! Ich fühle mich ohnmächtig! Alles echte Gefühle, keine Einbildung. Auch nicht nur Folge der Handlung eines Anderen. Mein ureigener Schmerz, meine ursprüngliche Verletzung. In meinem Inneren durch Äusseres zum Schwingen gebracht. Nicht ganz leicht zu erkennen, eine richtige Herausforderung es zu akzeptieren und bewusst zu fühlen.
Und ich bin sicher: es lohnt sich. Genau diese Schmerzen zulassen und dadurch auflösen führt in die Freiheit. Eine neue Lebensqualität, jenseits der Fesseln und Reaktionen meiner geschichtlichen Prägung, und der meiner Vorfahren.